Monsanto - Konzern der Gene und Gifte Mit einem Jahresumsatz von rund neun Milliarden US-Dollar gehört Monsanto nicht gerade zu den ganz Großen in der Chemiebranche. Monsanto wurde im Vietnamkrieg berühmt und berüchtigt, weil das Unternehmen das Entlaubungsmittel Agent Orange" entwickelt und produziert hatte. Unter den Folgen des großflächigen Gifteinsatzes leidet die vietnamesische Bevölkerung noch heute. Monsanto bezeichnet sich selbst als "Leader" in der Biotechnologie. In der Tat hat der Konzern mit weltweit 30.000 Beschäftigten eine reichhaltige Produktpalette, in der die Gentechnik zum Zuge kommt. Organisatorisch ist der Konzern in vier Sparten aufgeteilt: die Agro-Gruppe ist zuständig für Nahrungsmittel und Herbizide, die Chemie-Gruppe u.a. für Kunststoffe und Industriechemikalien. Monsanto war bis vor wenigen Jahren noch einer der größten und skandalträchtigsten Produzenten für krebserregende polychlorierte Biphenyle (PCB). Die Konzerntocher Searle ist im Pharmabereich aktiv und NutraSweet macht vor allem sein Geld mit dem Aspartame-haltigen Süßstoff gleichen Namens. Das Pflanzengift Roundup Rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes nimmt Monsanto mit Roundup ein, schätzt man. Das Herbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat ist weltweit das meistverkaufte Pflanzengift. Allein in den USA werden nach Schätzungen jährlich bis zu 11.800 Tonnen auf Felder, an Straßenrändern und in Vorgärten versprüht. In vier Jahren läuft das Patent für das 25 Jahre alte Herbizid aus. Es ist offensichtlich, daß sich der Konzern über die Roundup Sojabohnen den Markt auch nach Patenablauf im Jahr 2000 sichern will. "Das Herbizid wird im Boden schnell abgebaut", heißt es bei Monsanto, "auch nach langfristiger Anwendung treten keine Auswirkungen in der Umwelt auf". Es wird darüber hinweggetäuscht, daß jede Art von Herbiziden Spuren in der Umwelt hinterläßt, schließlich soll es ja die Aufgabe erfüllen, die Beikräuter auf den Feldern zu vertilgen. Außerdem wurde Roundup in Kalifornien als die dritthäufigste Ursache von Vergiftungen bei Landarbeitern registriert. Von Monsanto wird Roundup vor allem damit angepriesen, es werde im Boden "schnell durch natürliche Mikroorganismen zu Kohlendioxid, Ammoniak und Phosphat abgebaut." Nach wenigen Wochen wären keine Rückstände mehr feststellbar. Nachprüfungen sind sehr teuer und gehören zum Beispiel in Deutschland nicht zu den Standard-Untersuchungen. Wenn sie dennoch durchgeführt werden, kommen sie zu anderen Ergebnissen als Monsanto: Abhängig von der Bodenart konnte Glyphosat noch ein Jahr später im Boden nachgewiesen werden, in schwedischen Wäldern waren sogar nach drei Jahren noch Rückstände feststellbar. Das Abbauprodukt AMPA wurde schon mehrfach im Grundwasser nachgewiesen. Der Baumwoll-Flop Ein Riesenflop war die Genmanipulation von Baumwolle. Ohne Chemie, so die Versprechungen Monsantos, sollte die neue Baumwolle aus dem Genlabor ein Gift gegen Raupenbefall bilden, also mit einem "Selbstschutz-Gen" gegen Insektenlarven ausgestattet sein. Mit dem Gen aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis ausgestattet, sollten die sogenannten Bollgard-Pflanzen jetzt ein für Raupen tödliches Gift, das Bt-Toxin, in den Blättern selbst produzieren. Auf einer Fläche von 700.000 Hektar bauten US-Baumwollfarmer gleich im ersten Jahr die neuen Pflanzen an. Doch Monsantos Kalkül ging nicht auf: Bollgard produziere nicht genügend von dem Insektengift und nicht schnell genug, um die jungen Triebe vor den Raupen zu schützen, stellten Experten fest. Die Folge: Manche Felder sind bis zu 60 Prozent von den Raupen befallen, mindestens 8.000 Hektar in Texas sind von den Baumwollkapselwurm vernichtet worden. Auf 1,5 Milliarden Mark wird der Schaden für diese Ernteperiode geschätzt. Nicht abschätzbar können die Folgen sein, wenn sich herausstellen sollte, daß sich durch das Versagen von Bollgard bei den Insektenlarven Resistenzen gegen das Bt-Toxin herausgebildet haben. Das Bakterium Bacillus thuringiensis und seine Toxine sind vor allem bei Biobauern ein beliebtes Insektizid. Aufgrund seiner Umweltfreundlichkeit wird es in zahlreichen Ländern als "biologisches Gift" eingesetzt. Auf den Bollgard-Feldern sind die Insektenraupen zwar jetzt dem Bt-Toxin ausgesetzt, sterben aber nicht daran: Die besten Voraussetzungen dafür, daß die Raupen gegen das bakterielle Gift resistent werden. Das Milchhormon Das bekannteste der Gentech-Produkte bei Monsanto ist wohl das Rinderwachstumshormon rBST (= rekombinantes Bovine Somatotropin), das erstmals im Frühjahr 1994 unter den Namen Posilac als Milchdroge Einzug in die Kuhställe von US-Farmern gehalten hat. Obwohl nachgewiesen ist, daß die Gesundheit der Tiere unter dem zweimonatlich zu spritzenden Milchhormon leidet, hat Monsanto auch gegen den Protest von Konsumenten, Farmerorganisationen und selbst des Handels die Zulassung des Mittels bei der US-Behörde Food and Drug Administration (FDA) durchgesetzt. In Deutschland haben sich nicht nur die Genkritiker gegen das Hormon ausgesprochen, selbst der Deutsche Bauernverband und die Molkereien haben deutlich ihren Protest eingelegt. Die deutschen Tierärzte erklärten, daß der Einsatz von rBST gegen die tierärztliche Ethik verstoße. In der EU ist der Einsatz der Milchdroge vorerst bis zum Jahre 2000 verboten. Dann muß die EU-Kommission erneut entscheiden. Monsanto hat schon seit Jahren keineVerkaufszahlen von Posilac mehr veröffentlicht. Angeblich soll es in rund 30 Prozent der Milchviehherden in den USA eingesetzt werden. Aufschlußreich ist das Vorgehen Monsantos in den USA gegen Unternehmen, die sich gegen die Hormonmilch zur Wehr setzten: Lebensmittelbetriebe, die ihre Milch als "rBST-frei" kennzeichneten, brachte der Konzern vor Gericht. Er verklagte zum Beispiel die"Pure Milk and Icecream Company" auf Unterlassung dieser Maßnahme, verlor jedoch die Prozesse. Die Anti-Matsch-Tomate Retter in letzter Minute war Monsanto für die kalifornische Firma Calgene, die die Anti-Matsch Tomate Flavr Savr entwickelt hatte. Seit 1994 ist der Anbau und die Vermarktung der Gentech-Tomate in den USA zugelassen. Für Calgene war die Tomate jedoch ein wirtschaftlicher Reinfall. Die Verbraucher beklagten sich über den metallischen Geschmack. Außerdem waren schon bei der Verpackung dreißig Prozent der Gen-Tomaten zermatscht, so daß die Verpackungsanlagen aufwendig umgebaut werden mußten. Nur die finanzielle Unterstützung von Monsanto rettete das Gentech-Unternehmen vor der Pleite. Die Genküche In den USA hat Monsanto schon für mehrere genmanipulierte Pflanzen die Marktzulassung erhalten: Neben den Sojabohnen und der Bollgard-Baumwolle ist noch eine Insekten-resistente Kartoffellinie, NewLeaf genannt, zugelassen. Dabei wird es nicht bleiben. Die Vermarktung weiterer manipulierter Nutzpflanzen hat der Chemiekonzern für die nächsten Jahre bereits angekündigt: * Roundup Ready Mais * Roundup Ready Baumwolle * Roundup Ready Raps * Roundup Ready Zuckerrübe * Monsanto-Anti-Matsch-Tomate * Insekten-resistenter Mais * Virus-resistente Kartoffeln * festere Kartoffeln Der Chemiemulti setzt offensichtlich darauf, daß die Roundup-resistenten Pflanzen ein wichtige Rolle bei der künftigen Konzernpolitik spielen werden. Vor kurzem erst hat er bekannt gegeben, daß er in den nächsten Jahren rund 200 Millionen US-Dollar in die Modernisierung der Produktionsanlagen für Roundup stecken will. Er hofft auf eine Umsatzsteigerung im Geschäft mit dem Pflanzengift und will die hochindustrialisierte Landwirtschaft mit Pestizid-Einsatz und passenden Pflanzen für die nächsten Jahrzehnte festschreiben. v.i.S.d.P: Jörg Naumann Greenpeace September 1996