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Klonierungsstop für Menschen und Tiere



Hiltrud Breyer MdEP
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E-mail: Hiltrud.Breyer@GRUENE.de


 Pressemitteilung

Mittwoch, den 12.03.1997


Gruene fordern weltweite AEchtung und Verbot 
der Klonierung von Menschen und Tieren
Kritik an wachsweicher Position des Europaeischen 
Parlamentes

Obwohl kuerzlich zum ersten Mal aus einer Euterzelle eines Schafes die 
geklonte "Dolly" erzeugt wurde und eine heftige Diskussion in der 
OEffentlichkeit darueber stattfindet, verweigert das Europaeische Parlament 
in einer heute beschlossenen Resolution eine eindeutige Stellungnahme 
gegen die Klonierung von Tieren. Dazu erklaert die Gentechnikexpertin 
und Forschungspolitikerin Hiltrud Breyer,  Europaabgeordnete von 
BUENDNIS 90/DIE GRUENEN: 

Mit der Klonierung des Schafes wird erstmals die Einzigartigkeit des Lebens in 
Frage gestellt. Tiere werden degradiert zu Massenprodukten, zu lebenden 
Fliessbaendern. Lebende Tiere werden wie Maschinen behandelt und die 
quaelerische Massentierhaltung wird weiter vorangetrieben. Tiere werden damit 
vollstaendig verdinglicht und nur noch unter dem Verwertungsaspekt gesehen. Mit der 
Klonierung von Saeugetieren beginnt der erste Schritt zu Huxley´s "Schoene Neue 
Welt".  Daher waere ein Klonierungsverbot fuer Tiere dringend notwendig 
gewesen.  

Die Klonierung von Tieren schafft das Know-How fuer Techniken, die dann auch am 
Menschen moeglich sind. Wir duerfen uns nicht an die Pest gewoehnen und dann 
vor der Cholera warnen. Die Ethik darf nicht erst bei der Spezie Mensch beginnen, 
auch das Klonieren von Tieren ist verwerflich. Die Klonierung von Saeugetieren ist 
bereits ein schleichender ethischer Dammbruch. 
Zu begruessen  ist, dass sich das Parlament gegen die Klonierung von Menschen 
ausgesprochen hat. Der Alptraum vom Menschen als "Organersatzteillager" und als 
Kindesreserve" in der Kuehlbox scheint nun nicht Realitaet zu werden. Die Klonierung 
des Menschen waere ein Horror. Der Mensch wuerde zum Objekt, zum 
biologischen Material degradiert.  Obwohl sich das Europaeische Parlament bereits 
1993, als die Experimente an nicht lebensfaehigen Embryonen durch Jerry Hall 
bekanntwurden, einstimmig gegen die Klonierung von menschlichen Zellen 
ausgesprochen hat, ist nichts passiert. Die Gefahr besteht, dass auch diese 
Resolution zu einer blossen Absichtserklaerung und somit zu einem folgenlosen 
Papiertiger wird. 
Das Parlament macht sich jedoch unglaubwuerdig, wenn es einerseits die Klonierung 
von Menschen verbietet, andererseits jedoch die Patentierung von 
Klonierungstechniken und klonierten Lebewesen erlaubt. Im Entschliessungsantrag 
des Parlamentes findet sich keine Aussage zu Patentierung. Patentierung ist 
jedoch die oekonomische Grundlage fuer die Klonierung. Der Kampf gegen die 
Klonierung ist nur dann erfolgreich, wenn das Klonieren nicht mit Patenten 
belohnt wird.
Obwohl die Klonierung den ethischen Grundkonsens unserer Gesellschaft 
erschuettert, schiebt die EU-Kommission diese Frage an eine Ethikberatergruppe ab. 
Die EU-Kommission hat es bisher versaeumt, politische Entscheidungen gegen die 
Klonierung zu ergreifen. Sie hat lediglich ihre Ethikberatergruppe beauftragt, eine 
Stellungnahme abzugeben. Dies ist jedoch eine Beschwichtigung und eine 
Beruhigungspille fuer die OEffentlichkeit. Die offizielle Aufgabe der 
Ethikberatergruppe der EU-Kommission liegt darin Akzeptanz fuer die 
Gentechnik zu schaffen. Sie ist nicht demokratisch legitimiert und tagt hinter 
verschlossenen Tueren.  

Die Gesellschaft muss der Wissenschaft ethische Grenzen setzen und nicht 
umgekehrt. Das gelungene Klonierungsexperiment an der Universitaet Schottland 
zeigt mit Schrecken die Horrorvision einer Klonierung auch bei Menschen auf. 
Gefordert ist daher ein weltweites Verbot und eine weltweite Initiative zur 
AEchtung der Klonierung, sowohl beim Menschen als auch bei Tieren. Deshalb 
ist die EU dringender denn je aufgerufen, bei einem weltweiten Verbot der 
Klonierung eine Vorreiterrolle einzunehmen. 


 Weitere Informationen sind im Buero von Frau Breyer in Strassburg  erhaeltlich.